Das Braustübl kann in der großen Welt des professionellen Schnitzelessens eigentlich nur eine Randerscheinung bleiben. Dafür sorgt allein schon die Tatsache, dass es nur zwei Schnitzel auf der Karte gibt. Um herauszufinden ob diese dennoch einen regelmässigen Besuch wert sind waren wir heute dort.
Den demnach wichtigsten Punkt, die Schnitzel, kann man allerdings getrost am Anfang des Berichts vorweg abhandeln: Qualitativ gut, größer als im Exil, irgendwie trotzdem zu klein, vom Preisleistungsverhältnis her ungünstig (fast so teuer wie Eichbaum Tresen, dafür fast so klein wie im Exil) und - wie bereits erwähnt -
nur in zwei Varianten erhältlich.
Insgesamt daher auch nur durchschnittlich beeindruckend.
Von den zwei Varianten hatte ich das Schnitzel Wiener Art mit Pommes, die schon fast zu salzig waren. Alle anderen hatten das Jägerschnitzel mit Spätzle, die wohl angeblich auch recht gut waren. Bei den Jägerschnitzeln gab es aber ein Phänomen, das wir so noch nirgends sonst beobachten konnten: Die Größe der Schnitzel war von Teller zu Teller völlig unterschiedlich. Das Schnitzel von Marvin* (aka "Partyschnitzel") war mal locker doppelt so groß wie das von Olaf* (ab sofort "Shnissel-Man").
Ein grober Schnitzer, das gibt nur böses Blut auf die Dauer, sowas.
Der Vollständigkeit halber sollte noch erwähnt sein dass es auf einer Sonderkarte noch ein echtes Wiener Schnitzel gab, das wegen des Preises aber niemand von uns bestellt hat. Vorausgesetzt dass es sich dabei nicht um ein saisonales Angebot handelt soll dies lobend erwähnt werden, da ein echtes Wiener fast nirgends zu bekommen und - wenn es gut gemacht wird - ein echt gute Sache ist ist. Bei einem zweiten Besuch würde ich es auf jeden Fall testen.
Fraglich nur ob es den zweiten Besuch geben wird, denn die Atmosphäre im Braustübl ist nicht unbedingt die gemütlichste. Vielleicht lässt sie sich mit "Darmstädter Oktoberfest in einem befestigten Gebäude" beschreiben. Soll heissen die Bedienung ist schnell, das Bier sehr gut (ist immerhin die Gaststube einer lokalen Brauerei), der Geräuschpegel ist hoch und die Innenarchitektur gewollt aber nicht gekonnt rustikal.
Immerhin bekommt man ungefragt immer wieder einen Korb frisches Brot auf den Tisch gestellt - wenns alle ist, kommt der nächste. Und die "kleine Darmstädter Bierprobe" ist auf jeden Fall auch ein Unikum, fünf Fassbiere in den passenden Miniaturgläsern auf einem Tablett... Putzig!
Im Grunde gibt es mehr schon auch nicht zu sagen. Nichts aussergewöhnliches bis auf einen Faux-pas seitens des feinen Herren "Schnitzelprinz", der es doch tatsächlich unter Hinweis auf den Erhalt der schlanken Linie nicht für nötig befunden hat in Erscheinung zu treten. Was für eine gnadenlos unfassbar blöde Idee! Soll er halt morgen weniger Nutella aufs Brot tun, aber seiner Schnitzelpflicht nachkommen!
Zur Strafe werd ich ihm ne Karte schicken.
Naja, nächste Woche gehen wir wieder ins Tresen, dann wird alles gut.
Übrigens, wer sich über seltsame Namen in künftigen Posts wundert, dem sei gesagt dass auf Wunsch der anderen Teilnehmer, aus Gründen des Datenschutzes und um dazu beizutragen das Internet weniger persöhnlich und kuschelig
zu gestalten und weil alle Luschen sind, künftig jeder nur noch unter komischen Namen genannt wird.
* Namen von der Redaktion (mir) geändert
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